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Im Namen Gottes. Ha-Mim. Dieser Text, der nach dem islamischen Kalender als erster Beitrag des gesegneten Monats Radschab und nach dem gregorianischen Kalender in den letzten Tagen des Jahres verfasst wurde, ist als dritter Teil einer Reihe von Betrachtungen über Maulana Dschalaladdin Rumi entstanden. Er wurde nicht mit der Absicht geschrieben, Moral in Form trockener Ermahnungen darzustellen, sondern um Ethik als eine Ordnung zu begreifen, die sich im Inneren des Menschen im Laufe der Zeit bildet und vertieft. Ethik erscheint hier nicht als ein äußerliches Regelwerk, sondern als eine innere Architektur, die langsam wächst, sich festigt und den Menschen von innen heraus formt. Darüber hinaus werden die langjährigen philosophischen und linguistischen Diskussionen über die Begriffe Moral und Ethik in diesem Text bewusst ausgeklammert. Die Begriffe werden hier in ihrem alltagssprachlichen und allgemein verständlichen Sinn verwendet, um den Blick nicht auf Definitionen, sondern auf innere Erfahrungen zu lenken. Außerdem wurde aus der Überlegung heraus, dass detaillierte Quellenangaben für Zitate aus dem Masnawi für die Leserschaft ablenkend oder unangebracht sein könnten, bewusst auf entsprechende Nachweise verzichtet.

In der Sprache Rumis sind gute Charaktereigenschaften keine fertigen oder angeeigneten Tugenden, sondern Zustände, die sich langsam herausbilden, während der Mensch sich mit seiner Begierde, seinem Zorn, seiner Angst und seinem Ehrgeiz auseinandersetzt. Tugend ist kein Besitz, sondern ein Prozess. Sie entsteht nicht unabhängig von inneren Spannungen, sondern gerade in ihrer Mitte. Anstand, Genügsamkeit, Zustimmung, Geduld, Demut, Großzügigkeit, Ritterlichkeit und Dankbarkeit sind aus dieser Perspektive keine voneinander getrennten Begriffe, sondern Zugänge, die sich in unterschiedlichen Tiefen desselben Herzens öffnen. Jede Tugend verweist auf die andere, jede bereitet den Boden für die nächste, und keine kann dauerhaft bestehen, wenn sie von den übrigen isoliert wird.

Moralisches Verhalten wird häufig auf das reduziert, was von außen sichtbar ist. Gemessen wird, was jemand sagt, wie er erscheint und welche Grenzen er wahrt. Dieses äußere Verständnis von Moral bleibt jedoch an der Oberfläche. Im sufischen Verständnis liegt das eigentliche Maß nicht im Sichtbaren selbst, sondern in den Spuren der inneren Ordnung, die nach außen sichtbar werden. Rumi betrachtet Tugend nicht als Zierde oder als moralischen Schmuck. In seinem Denken ist Tugend ein Zustand der Reife, der daraus entsteht, dass der Mensch die in ihm vorhandenen Kräfte erkennt und ihnen Maß gibt. Deshalb negiert er Begierde, Zorn, Ehrgeiz und das Streben nach Überlegenheit nicht. Im Gegenteil, gerade in ihrer Anwesenheit wird Moral zu einer wirklichen Prüfung. So wie ohne Begierde von Keuschheit nur unvollständig gesprochen werden kann, bleiben Demut ohne Macht, Großzügigkeit ohne Möglichkeit und Geduld ohne Leid in ihrem Wesen verborgen. Tugend zeigt sich dort, wo innere Kräfte vorhanden sind, aber nicht herrschen dürfen.

Als erster Baustein dieser inneren Architektur tritt bei Rumi der Anstand hervor. Anstand bedeutet nicht bloß, höflich zu erscheinen oder gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Er bedeutet, dass der Mensch Maß und Richtung gegenüber sich selbst, gegenüber anderen und gegenüber Gott kennt. Eine prägnante Formulierung aus der sufischen Überlieferung bringt dies klar zum Ausdruck. „Der Weg ist ganz von Anstand getragen.“ In diesem Verständnis ist Anstand kein Teil der Moral, sondern ihr tragendes Gerüst. Ohne Anstand verlieren alle Tugenden ihre innere Form. In dem von Rumi entworfenen Gefüge rückt der Anstand in das Zentrum des Handelns, weil er lehrt, den natürlichen Verlauf dessen, was im Menschen angelegt ist, nicht zu stören, Grenzen nicht zu überschreiten und Maß zu wahren. Anstand wird dabei nicht isoliert gedacht, sondern im Zusammenhang mit der Ordnung des Seins. Er ist nicht nur für das menschliche Leben maßgeblich, sondern auch für das Gefüge der Welt.

Wenn Rumi vom Anstand spricht, verbindet er ihn konsequent mit dem Verhältnis von Begierde und Keuschheit. Keuschheit bedeutet nicht, das Begehren zu vernichten. Keuschheit bedeutet, das Begehren zu erziehen. Denn Begierde ist im Menschen eine Quelle von Energie und Bewegung. Bleibt diese Quelle ungeordnet, zerstreut sie den Menschen. Wird sie geordnet, sammelt sie ihn. Der Akzent Rumis ist hier eindeutig. „Die Lösung besteht darin, Wünsche und Triebe zu kontrollieren, sie auf das Gute, das Wahre und das Schöne auszurichten und Maß sowie Ausgewogenheit zu wahren.“ Dieser Ansatz versteht Moral nicht als eine Ansammlung von Verboten, sondern als die bewusste Lenkung innerer Kräfte. Keuschheit wird so nicht zu einem Zustand des Mangels, sondern zur Freiheit eines Herzens, das wählen kann.

Von hier aus wird deutlich, dass Anstand nicht nur eine persönliche Disziplin ist. Rumi verortet ihn ebenso im Zentrum gesellschaftlicher Beziehungen. Wenn der Mensch beginnt, über die Fehler anderer zu sprechen, nährt er häufig den Hochmut in sich selbst. Anstand ist deshalb nicht nur eine Erziehung gegenüber den eigenen Begierden, sondern auch gegenüber der Sprache des Urteilens über andere. Rumi beschreibt dies mit einer klaren inneren Psychologie. „Anstand zeigt sich darin, die Unangemessenheit anderer mit Geduld zu ertragen.“ Diese Geduld bedeutet nicht, jedes Verhalten gutzuheißen. Sie bedeutet, die eigene innere Unruhe zu zügeln, den Drang zur Selbstrechtfertigung zu kontrollieren und Sprache wie Urteil zu reinigen. In diesem Sinn beschreibt er den gutmütigen Menschen als jemanden, „der den Übellaunigen und Schwierigen erträgt und ihre Fehler nicht weiterträgt.“ Anstand wird so zu einer sichtbaren Reife in Sprache und Urteil.

Die Spannung zwischen Anstand und Hochmut bildet in der moralischen Ordnung Rumis einen kritischen Punkt. Hochmut beschränkt sich nicht auf Prahlerei. Er entsteht dort, wo der Mensch sich selbst zum Maßstab macht. Besonders gefährlich wird er, wenn er durch Macht und Stellung genährt wird. „Hochmut, der aus dem Streben nach Rang und Überlegenheit entsteht, ist gefährlicher als Maßlosigkeit, die aus Esslust oder sexueller Begierde hervorgeht.“ Macht lässt das Ego wachsen, oft unbemerkt. Ein gewachsenes Ego verliert die Fähigkeit zur Selbstkritik, verengt den Raum der Reue und hält Selbstverteidigung für Wirklichkeit.

Rumi beschreibt die Folgen mangelnden Anstands nicht nur theoretisch. Für ihn ist Anstandslosigkeit eine unmittelbare Quelle innerer Unruhe. „Was an Sorge, Schwere und Traurigkeit in das Herz einzieht, entspringt Unbedachtheit, Härte und Mangel an Anstand.“ Zugleich verortet er den Anstand im Gefüge des Seins selbst. „Durch Anstand wird die Ordnung der Welt lichtvoll, und Reinheit wird möglich.“ Anstand erscheint hier nicht als bloße soziale Konvention, sondern als inneres Maß, das das Herz erhellt.

An dieser Stelle vertieft Rumi den Begriff des Anstands durch die Unterscheidung zwischen äußerem und innerem Bereich. Für manche Menschen besteht Anstand in der Ordnung des äußeren Verhaltens. Für andere ist Anstand eine innere Haltung des Herzens. „Während er für die am Äußeren Orientierten in sichtbaren Umgangsformen liegt, ist er für die am Inneren Ausgerichteten eine feine innere Aufmerksamkeit.“ Diese Unterscheidung zeigt, dass Anstand weit über Etikette hinausgeht und eine Sensibilität in den verborgenen Schichten des Herzens bezeichnet.

Diese Tiefe des Anstands zeigt sich besonders im Zusammenhang mit der Liebe. Rumi weist darauf hin, dass der Zustand der Liebe nach außen hin als Maßlosigkeit erscheinen kann. „Wer nur auf das Sichtbare blickt, mag Anstandslosigkeit vermuten.“ In Wirklichkeit jedoch „gibt es keinen Zustand, der innerlich geordneter wäre.“ Die Unruhe des Ego verroht den Menschen. Die Unruhe der Liebe hingegen löst das Ego auf und führt zu innerem Anstand. Dennoch versteht Rumi dies nicht als grenzenlose Legitimation. Damit Liebe und Ego nicht ineinander übergehen, braucht es Maß. „Dieses Maß bleibt der Anstand.“

Auf dieser Grundlage treten zwei weitere Haltungen hervor, die das Verhältnis des Menschen zur Welt ordnen. Genügsamkeit und Zustimmung. Genügsamkeit bedeutet nicht lediglich, mit wenig zufrieden zu sein. Sie bedeutet, die Unersättlichkeit des Ego zu regulieren. Der Mensch, der blind den Wünschen seines Ego folgt, vergeudet nach Rumi sein Leben. Deshalb beschreibt er Genügsamkeit als einen inneren Schatz. „Er vergleicht sie mit einer Perle, die im Herzen entsteht.“ Dieses Bild macht deutlich, dass Reife nicht durch äußeres Anhäufen, sondern durch innere Sammlung entsteht. Genügsamkeit öffnet das Herz nicht dem Hunger des Ehrgeizes, sondern dem Tropfen der Barmherzigkeit.

Im Vergleich zur Gier wird diese Sicht besonders deutlich. „Gier gleicht einem Herbst, der austrocknet.“ „Genügsamkeit gleicht einem Frühling, der belebt.“ Wer sich durch Gier zu vermehren glaubt, verarmt innerlich. Wer sich durch Genügsamkeit zu verringern meint, gewinnt innere Weite. Diese Weite bedeutet keinen Rückzug aus der Welt, sondern die Weigerung, der Welt Herrschaft über das Herz zu überlassen.

Die Ergänzung zur Genügsamkeit ist die Zustimmung. Zustimmung bedeutet, sich nicht an dem festzuhalten, was verloren geht. Wer sich an den Verlust bindet, verliert den Blick für das, was bleibt. Rumi beschreibt Zustimmung als eine Schwelle der Reife. „Sie ist keine Passivität, sondern das Ende des inneren Widerstands.“ Wenn sich die Beziehung des Menschen zum Leid verändert, bleibt das Leid nicht dasselbe.

Zwischen Zustimmung und Geduld besteht ein enger Zusammenhang. Zustimmung nimmt dem Geschehen den inneren Widerstand. Geduld verleiht die Kraft, diesen Weg weiterzugehen. Geduld ist für Rumi der Schlüssel zur Erleichterung. „Geduld ist der Schlüssel zur Erleichterung.“ Sie beseitigt die Schwierigkeit nicht, verhindert aber, dass die Schwierigkeit den Menschen zerstört. Geduld ist damit eine innere Ausrichtung, die trägt.

Geduld ist nicht bloß das Ertragen von Schmerz. Sie ist ein Prozess der Reifung. „Sie gleicht einer Leiter, die in die Tiefe führt und von dort wieder emporträgt.“ Ungeduld hält den Menschen an der Oberfläche. Geduld vertieft die Einsicht und festigt das Herz.

Eine besonders praktische Seite dieser Lehre zeigt sich in der Unterscheidung zwischen Hast und Bedacht. Hast führt häufig zur Reue. Bedacht schützt. Geduld ist kein passives Warten, sondern das Sammeln des Inneren, um im richtigen Moment richtig zu handeln. Wer hastig entscheidet, verletzt sich selbst und andere. Wer bedacht geht, bewahrt Beziehungen.

Rumi verbindet Geduld auch mit der Sprache. Die Begierde zu sprechen führt den Menschen oft zur Reue. Deshalb verbindet er Geduld mit dem Maß des Wortes. „Wer wohlwollend sprechen will, muss Geduld haben.“ Die Zunge ist schnell. Das Herz reift langsam. Geduld führt die Sprache zurück zum Herzen.

Eine weitere Tugend, die gemeinsam mit der Geduld den Hochmut heilt, ist die Demut. Demut bedeutet nicht Selbstverleugnung. Sie bedeutet, sich an den richtigen Ort zu stellen. „Ich bin besser als er“ gilt bei Rumi als Ursprung des Irrtums. Demut ist keine bloße moralische Entscheidung, sondern eine existentielle Haltung, die Raum für Wirklichkeit schafft.

Das stärkste Bild für Demut ist die Erde. Die Erde liegt niedrig und trägt dennoch das Leben. Der Mensch kommt aus der Erde und kehrt zu ihr zurück. Erde zu sein bedeutet nicht Erniedrigung, sondern Reinigung von der Aufgeblähtheit des Ego. Kein Same wächst, ohne in die Erde zu fallen. Kein Wasser klärt sich, ohne nach unten zu fließen. In dieser Sprache der Natur zeigt sich das Wesen der Demut.

Demut verlangt Maß. Sie ist nicht in jeder Situation und gegenüber jedem gleich anzuwenden. An falscher Stelle kann sie die Wirklichkeit beschädigen. Demut ist keine Schwäche. Sie ist Maß.

Wenn Demut das Herz reinigt, wird Großzügigkeit echt. Großzügigkeit bedeutet nicht nur, Besitz zu geben. Sie bedeutet, Selbstbezogenheit aufzulösen. Rumi beschreibt Großzügigkeit als ein Kapital, das auf beiden Ebenen des Lebens Gewinn bringt. Ihre Voraussetzung ist die Aufrichtigkeit der Absicht. Ohne diese wird Geben zur Leere. Großzügigkeit mindert nicht den Besitz, sondern weitet das Herz.

Ein besonders lebendiger Ausdruck der Großzügigkeit ist die Gabe. Sie dient nicht nur dem Bedürftigen, sondern heilt den Gebenden von der Krankheit des Geizes. Wer gibt, öffnet sich. Mit der Öffnung nimmt die Angst ab und Vertrauen wächst.

Rumi verbindet Großzügigkeit mit Erkenntnis. „Großzügigkeit kommt nicht aus der Hand, sondern aus dem Blick.“ Wer den Ursprung der Gabe erkennt, hält nicht fest. Erkenntnis befreit das Herz von Enge.

In der Steigerung der Großzügigkeit unterscheidet Rumi zwischen dem Geben von Besitz, dem Verzicht auf eigene Wünsche und der Hingabe des eigenen Selbst. Diese letzte Form beschreibt er als die eigentliche Gabe des Liebenden. Großzügigkeit betrifft damit nicht nur das Ökonomische, sondern das Existenzielle. „Wer sich selbst zu geben lernt, löst sich vom Nutzenkalkül.“ Mit dem Ende dieses Kalküls wird das Herz frei.

Diese Sprache der Freiheit mündet bei Rumi in die Begriffe der Ritterlichkeit und der inneren Tapferkeit. Wahre Tapferkeit zeigt sich nicht im äußeren Kampf, sondern im inneren Ringen. Sich im Moment von Zorn und Begierde zu beherrschen und dem Ego Einhalt zu gebieten, ist die eigentliche Stärke. Den äußeren Feind zu besiegen ist unter Umständen leicht. „Den inneren Feind zu bezwingen ist ein fortdauernder Kampf.“

Zu den eindringlichsten Gedanken Rumis gehört die Vorstellung, dass der Kampf gegen das eigene Ego der größte Kampf ist. Er beschreibt ihn als einen Krieg der Gedanken. „Gute Gedanken treten gegen schlechte an.“ Diese Vorstellung macht deutlich, dass Moral im Inneren aufgebaut wird. Wer nur das Äußere ordnet, ohne das Innere zu reinigen, kann diese Ordnung nicht tragen.

In diesem inneren Kampf verbinden sich Geduld, Genügsamkeit, Zustimmung und Anstand erneut. Tapferkeit gegenüber dem Ego ist nicht hastig. Sie ist nicht stolz. Sie ist nicht vergiftet von Hochmut. Deshalb versteht Rumi Tapferkeit nicht als plötzliches Aufleuchten von Heldentum, sondern als langfristige innere Disziplin. Wahre Reife liegt im Verzicht auf Zorn, Begierde und Gier. Sie zeigt sich nicht im äußeren Bild, sondern in der Ausrichtung des Herzens und des Willens.

Den Abschluss dieser inneren Ordnung bildet die Dankbarkeit. Dankbarkeit ist mehr als ein Wort des Dankes. Sie bedeutet, die Gabe zu erkennen und ihr gerecht zu werden. „Dankbarkeit bindet die Gabe und ruft Mehrung hervor.“ Sie wirkt wie ein Gegengift, „das Härte in Gnade verwandelt.“

Rumi betrachtet es als Teil der Dankbarkeit, auch den Menschen zu danken, durch die Gaben zu uns gelangen. Denn Gaben erreichen den Menschen oft durch Vermittlung. Wer dankt, öffnet sein Herz. Ein geöffnetes Herz nähert sich dem Anstand, entfernt sich vom Hochmut und lebt näher an Genügsamkeit und Zustimmung.

So erscheinen die Tugenden bei Rumi nicht als voneinander getrennte Werte, sondern als eine Kette, in der jede die andere hervorbringt. „Anstand trägt Maß. Maß ermöglicht Genügsamkeit. Genügsamkeit öffnet zur Zustimmung. Zustimmung vertieft Geduld. Geduld bringt Bedacht hervor. Bedacht nährt Demut. Demut schützt Großzügigkeit vor Verfälschung. Großzügigkeit lässt innere Tapferkeit reifen. Dankbarkeit erhellt die gesamte innere Ordnung.“

Die große Einladung Rumis richtet sich nicht darauf, gut zu erscheinen, sondern darauf, gut zu werden. Dieses Gutwerden beginnt oft dort, wo niemand hinsieht. Dort, wo Begierde steigt, Zorn anschwillt, Ehrgeiz ruft, Macht verlockt, das Urteil bereitliegt und das Herz eng wird. Genau dort hört Anstand auf, ein Begriff zu sein, und wird zu einem Zustand. Genügsamkeit wird zu innerem Reichtum. Geduld wird zur Leiter. Demut wird zur Festigkeit des Herzens. Großzügigkeit wird zur Auflösung des Ego. Tapferkeit wird zur Standhaftigkeit im inneren Kampf. Dankbarkeit wird zum Gegengift, das Härte in Gnade verwandelt.

Am Ende dieser Betrachtung ist der Hinweis Rumis eindeutig. „Moral ist kein Gesicht, das man anderen zeigt. Sie ist eine Richtung, die der Mensch in sich trägt.“ Sein Ruf ist bis heute lebendig. Nicht gut zu wirken, sondern innerlich gut zu werden. Nicht durch Lärm, sondern durch Haltung. Nicht durch Anspruch, sondern durch Standhaftigkeit. „Denn wahre Moral zeigt sich am deutlichsten dort, wo niemand zusieht.“ Möge Gott dem Menschen Seine Barmherzigkeit schenken.


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Die Sprache der einander hervorbringenden Tugenden bei Maulana Dschalaladdin Rumi