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Al-Quschairi: Die Basmala aus Lataʾif al-Isharat

Im Namen Gottes. Ha-Mim. Diese Woche setzen wir die Übersetzung der „Lataʾif al-Isharat“ (Die Feinheiten der Andeutungen) von Abu l-Qasim al-Quschairi fort.

Wir übersetzen in jedem Beitrag einen Vers. Heute geht es um den ersten Vers der Sure al-Fatiha, die Basmala. Im nächsten Beitrag folgt der zweite Vers. Möge Allah es uns erleichtern, dieses Werk fortzusetzen. Amin!


SURE AL-FATIHA, VERS 1

Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen [1:1]

Das baʾ in bismillah [„im Namen Gottes“] ist grammatisch eine Partikel, in der eine weitere Bedeutung mitgedacht ist.1 Das heißt: Durch Gott (bi-Llah) treten die neuen Dinge in Erscheinung, und durch Ihn bestehen die erschaffenen Dinge. Nichts hat ein Dasein (wujud) außer durch den Wahrhaftigen: kein neu erschaffenes Ding (hadith makhluq) und keine Abfolge von Ereignissen (hasil mansuq), kein wahrgenommenes Ding (ʿayn) und keine Spur, die ein Ding hinterlassen hat (athar), und dergleichen, und auch sonst nichts, weder Fels noch Lehm, weder Kräuter noch Bäume,2 weder eine im Boden zurückgebliebene Spur (rasm) noch stehen gebliebene Ruinen (talal),3 weder eine Bestimmung (hukm) noch Ursachen (ʿilal) [von Dingen oder Ereignissen]. Der Wahrhaftige gebietet darüber. Vom Wahrhaftigen geht alles aus, und zum Wahrhaftigen kehrt alles zurück. Durch Ihn findet [Ihn], wer [Gottes] Einheit bezeugt (bihi wajada man wahhada), und durch Ihn leugnet, wer vom Glauben abfällt (wa-bihi jahada man alhada).

Durch Ihn erkennt, wer bekennt (bihi ʿarafa man iʿtarafa), und durch Ihn bleibt zurück, wer [Schädliches] begeht (wa-bihi takhallafa man iqtarafa).

Er sprach „Im Namen Gottes“ und nicht „Durch Gott“. Manche sagen, dies sei eine Art, durch die Erwähnung Seines Namens Segen zu suchen. Andere sagen, es geschehe wegen des Unterschieds zwischen dieser [Formulierung] und den Schwüren. Nach Ansicht der Gelehrten liegt es daran, dass der Name (ism) das Benannte (musamma) ist. Nach Ansicht der Leute der tiefen Erkenntnis (ahl al-ʿirfan) [ist es so formuliert], damit die Herzen von den Anhaftungen geläutert werden (li-istisfaʾ al-qulub min al-ʿalaʾiq), das Innerste von den Hindernissen befreit wird (li-istikhlas al-asrar ʿan al-ʿawaʾiq) und so das Wort „Gott“ in ein gereinigtes Herz (qalb munaqqa) und ein geläutertes Innerstes (sirr musaffa) eintritt.

Manche werden bei der Erwähnung dieses Verses durch den [Buchstaben] baʾ an Seine Güte (birr) gegenüber Seinen Freunden erinnert, durch das sin an das Geheimnis (sirr), das Er mit Seinen Auserwählten teilt, und durch das mim an Seine Gnade (minna) gegenüber den Leuten [Seiner] Freundschaft (ahl al-walaya). Sie wissen, dass sie durch Seine Güte Sein Geheimnis erkennen, durch Seine Gnade an ihnen Sein Gebot bewahren und durch Ihn, Er ist erhaben, Sein Maß erkennen.4

Andere werden, wenn sie „Im Namen Gottes“ hören, durch das baʾ daran erinnert, dass Gott, Er ist erhaben, frei (baraʾa) von allem Übel ist, durch das sin an Seine Unversehrtheit (salama) von jedem Makel und durch das mim an Seine Herrlichkeit (majd) in der Erhabenheit Seiner Eigenschaften.

Wieder andere werden durch das baʾ an Seinen Glanz (bahaʾ) erinnert, durch das sin an Sein Strahlen (sanaʾ) und durch das mim an Seine Königsherrschaft (mulk).

Weil Gott, Er ist erhaben, den Vers Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen in jeder Sure wiederholt hat und feststeht, dass er zu ihnen gehört, wollen wir in [dem Kommentar zu] jeder Sure Neues über die Andeutungen dieser Formel sagen, ohne uns zu wiederholen. Deshalb werden wir die Worte hier nicht5 erschöpfend untersuchen. Auf Ihn ist Verlass.


Anmerkungen

  1. Das heißt, die Partikel deutet eine mitgedachte Bedeutung an, die al-Quschairi im Folgenden erklärt. ↩︎
  2. Koran 55:6 verwendet diese beiden Wörter: Und die Kräuter und die Bäume werfen sich nieder. ↩︎
  3. Zum Gebrauch von Begriffen des klassischen arabischen nasib [des Eingangsteils der altarabischen Ode, der an den verlassenen Lagerplatz der Geliebten erinnert] wie rasm und talal bei al-Quschairi und anderen Sufis siehe Sells, Early Islamic Mysticism, S. 56-74 und S. 338, Anm. 43. Man beachte, wie in diesem Absatz Begriffe aus verschiedenen Arten der Rede gemischt werden, nämlich aus dem Koran, der Dichtung und der Theologie. Al-Quschairi verwendet diese Arten der Rede in seinem ganzen Kommentar, verbindet sie aber gewöhnlich nicht in einem einzigen Satz, wie er es hier tut. ↩︎
  4. Anders als jene, die Gott nicht nach Seinem wahren Maß geschätzt haben (Koran 6:91, 22:74, 39:67). ↩︎
  5. Die Verneinungspartikel lam fehlt in der Basyuni-Ausgabe, wurde aber anhand der Handschriften K117, fol. 1b und Y101, fol. 3a ergänzt. ↩︎